szmmctag

  • Two Months of Music 01022015

    feb_w4

    These here are songs/tracks that moved me in the last two months. Pop songs I like(d) are a different genre.

    Laurie Spiegel
    "A Garden"

    Pink Floyd
    "Jugband Blues"

    Syd Barrett
    "No Good Trying", "Octopus", "Gigolo Aunt"

    I Break Horses
    "Winter Beats"

    Slumber Party
    "Sooner or later", "Everyone else I know"

    High Places
    "Namer", "Altos Lugares"

    Stereo Total
    "Europa neurotisch"

    McCarthy
    "We are all bourgeois now"

    Flowerpornoes
    "Sigmund Grimm", "Rock'n'Roll"

    Mutter
    "Wer hat schon Lust so zu leben"

    Gang of Four
    "5.45"

    Stereolab
    "Jenny Ondioline"

    Christina Vantzou
    "Your Changes Have Been Submitted"

  • the c.i.z. review (2)

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    The "c.i.z."-idea came when a project called com intern (finally) had ended, i.e. gone almost completely virtual, lost in space, homeless, without (real) faces. c.i.z. was me still spreading tracks via homepages and streaming services, compiling albums, sometimes putting out old stuff under a new name and sometimes even still putting together tracks with close to zero digital equipment. The most glorious phase of my "recording career" was maybe at the beginning, though. Together with Jean-Paul Polyester we contributed tracks to CDs given away for free to guests of party series Radio Gruga. We had ever changing names then, but when it came to releasing an album, we stripped the name(s) down to com intern. This here was the poppiest thing we could achieve with lots of help from a friend with a small studio. Right: and sampling Mark Stewart with and Prince and Dee-Lite without permission. (I am warning people of Essen in this track, using a term made popular in Germany by Gerhard Schröder.)

    We wanted to at least try to sell our "atlas" album, but there were lots of versions and mixes around, too. So I put together a free download album. (All these symbolic micro-politics back then!) Called "liberalitas", it was also meant to showcase how the tracks from the "official" album were done or what we wanted to tell the big worldwide web world with them. This here is a much better version than the one that made it onto "atlas". a) why not better if for free? b) it's called "popformat", so one may guess what it is (all) about, right?

    We got some nice compliments from other musicians and a few followers, but it felt like we should get back to our hometown somehow. So we did a release party at a pub, remixed some local bands and put out an EP to accompany "liberalitas", that was called "trash, the groupie". Here is a track. That was okay for a project that understood itself as a sound and media art collective with two core members and lots of contributors. com intern called it a day after this, I put out some CD compis in some sort of McLaren fashion, one even called "paper box", but hey!

  • Disclaimer VI

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    This is a piece I wrote for last year's second edition of Heimatdesign magazine. And it's not really only about me and myself.

    Urban Soul (online edit)

    Seitdem ich die Redaktionsleitung für das europäische Webmagazin Labkultur mache, tendiere ich zu wesentlich merkwürdigeren Ritualen als eh schon. Und ja, bereits morgens. Dann setze ich nämlich eine eigens kreativ verfremdete Narrenkappe auf und drehe den so veredelten Kopf vor dem Badezimmerspiegel immer wieder langsam von rechts nach links. Dabei fallen mir schon zeitig am Tage immer ganz tolle Sachen ein, denn auf der rechten Seite der Kappe prangt eine Medaille mit der Aufschrift „Held der Berufsadoleszenz“ und links ist „Urbanismus ist die neue Provinzialität“ zu lesen. Auch beim Zähneputzen bringt das recht innovative Gedanken hervor, und das nun tägliche Rasieren tut meist ein Übriges, schon vor dem Frühstück gewappnet zu sein für einen Ballungsraum, der Menschen wie mich jetzt dringend braucht. Mehr als das: Mir fallen schon immer spätestens beim Deponieren besagter Kappe auf einer Schaufensterpuppe mit Ramones T Shirt recht pfiffige Slogans für die social media postings am Nachmittag ein.

    Für den Weg zur U-Bahn (so 200m) nehme ich mir neuerdings immer eine gute Viertelstunde Zeit: Stimmt meine Glaubwürdigkeit beim Straßenverkäufer noch? Haben die jungen, ledigen Mütter vor dem Café auch wirklich gute Laune beim Austausch von Geschichten über die letzten Wochenendexzesse der lokalen Hipstergemeinde? Ist der Stammgast der Suchtselbsthilfebar am anderen Ende der Straße auch gewiss mit genug Einladungen zu Schnippeldiskos und Vernissagen versorgt? Und natürlich: Schaffe ich es, von wenigstes acht jungen Frauen den Blick vom Schaufenster des Juweliers weg und auf mich zu ziehen? Das sind so kleine Übungen in Sachen Fremd- und Selbstwahrnehmung, die ich ernsthaft absolviere, bevor die Schienen kommen und der Geist vom Lokalen ins Globale entrückt.

    Wenn gar nichts helfen mag gegen fehlende Inspiration, dann muss „Dead Man Walking“ von David Bowie oder „The Damned Don't Cry“ von Visage auf den Kopfhörer. Das kommt gerade in einem Regionalexpress – mit Sitzplatz am Fenster - ganz hervorragend. Ich koppele mich also sozusagen semi-empathisch an Role Models einer experimentellen Lebensführung mit leicht metrosexueller Note und betrachte dabei die tägliche Quote an Kopfhörern, Laptops und Büchern im Abteil. Ist die Buchquote hoch, nehme ich mir etwas tiefsinnigere Facebook Postings vor. Sind die Röcke kurz, wechsele ich schnell zu punkiger Rockmusik und denke an Houellebecq und „Fahrenheit 451“, den Film, von Truffaut. Dann kann ich mich meistens wieder konzentrieren. Bekomme ich ein Lächeln noch vor dem Dortmunder Hauptbahnhof, verzichte ich darauf noch kurz bei McDonalds einzukehren und betrete bald das Zentrum der Macht am Dortmunder U – meist mit einem kessen Lied auf den Lippen, „Der lustige Astronaut“ von der renommierten Berliner ProgRock Combo Die Ärzte zum Beispiel.

    Dann mache ich ganz konzentriert berufsadoleszente Zwangsurbanität mit internationalem Anspruch, den aber auch die Leute im Ruhrgebiet (und Düsseldorf) irgendwie gut finden.

    Weil ich nicht nur Profi, sondern auch un-scheinselbstständig bin, gibt es selbstverständlich immer Projekte, die mit spannenden anderen Menschen anstehen (könnten), und über die ich auf der Rückfahrt teils gewissenhaft, teils durchaus libidonös bewegt nachdenke. Nicht immer muss alles viel Geld einbringen! Aber manchmal werde ich auch ein wenig traurig, weil die Grenzen zwischen Arbeit, Hobbies und Privatleben mir zu stark verschwimmen. Ich weiß zwar, dass das nicht mehr zeitgemäß ist, solche Grenzen zu ziehen. Aber noch meine Eltern konnten das und fanden das gut, und irgendwie fürchte ich, dass wir alle dahin nicht mehr zurück können. Ist nicht fast alles öffentlich und Eigenmarketing? Mag man mich nur wie ich bin, wenn ich der bin, der ich mal (so ungefähr) sein wollte? Und bin ich jetzt nicht der, vor dem ich meine Mitschüler immer warnen wollte? Ist das kompliziert!! Zurück in meiner Heimatstadt gehe ich dann oft direkt auf einen Kaffee zu ein paar ex-linksradikalen Lehrern, Physiotherapeutinnen, Sozialarbeitern und Getränkefachverkäufern im Kiez, äh, Quartier, um mir gleichzeitig die Leviten lesen und mein irgendwie modernes, linksliberales Weltbild insgeheim bestätigen zu lassen. Dann habe ich auch schon wieder Bock auf Eigenmarketing und gebe ein wenig den Szene-Horst. Das finden die jungen, ledigen Mütter meistens gut und erzählen davon bei einem ihrer nächsten Café-Besuche.

    Abends setze ich mich manchmal ganz allein in die Innenstadt vor so ein schön anonymes Franchise-Objekt und gönne mir einen Cocktail, während ich die anderen Gäste mustere: Ist das jetzt noch eine tragbare Mischung aus durch und prollig bei der Fünfergruppe da oder irgendwie zu sehr … Gladbeck- oder Recklinghausen-Mitte? Ist diese Hintergrundbeschallung aus knackigem Urban Soul wirklich das Richtige, um aus denen glückliche Benutzer von Fahrradautobahnen zu machen? Muss hier nicht mal so richtig großflächig Urbane Künste Ruhr mit Folkwangscher elektroakustischer Neuer Musik einschreiten, um dieser entsetzlichen H&M-Mentalität den Garaus zu machen? Oder muss ich einfach mal Brian Eno anrufen? Dann schäme ich mich aber schnell ein bisschen ob meiner etwas elitären Entgleisung und gehe vielleicht doch zur Schnippeldisko.

    (Labkultur is in archive mode since recently.)

  • Twelve Months of Music 01122014_3

    CAM00074

    I wrote here about most of the books I read and - as already mentioned - I went to the cinema too often. And of course music (as a product) is easier available once you, dear reader, are "checking in" here and decide to "check out" what I do not really recommend but tell you about. So here is another list dealing with music, this time my spotify albums of the year. (Must admit I quite stopped using this app somewhere in the middle of the year due to the terrible ads and being unwilling to pay for using this service that is not better than others I use. But then, early January, I paid my 99 cents for ad-free listening.)

    Eve Beglarian: Tell The Birds (Here is another.)

    Brian Eno: Here Come the Warm Jets, Before and after Science, Another Green World

    Mekons: United, Hen's Teeth and Other Lost Fragments of Unpopular Culture

    Noveller: Glacial Glow

    Slumber Party: Slumber Party, 3, Musik

    Tilman Rossmy Quartett: Ich weiss nicht wer du bist, Reisen im eigenen Land

    Valet: Naked Acid

    Viv Albertine: The Vermillion Border

    Wax Idols: Disclipline & Desire

  • Some Interviews I Did (26): Beta Evers

    live

    Zurück aus der Zwischenwelt

    Erst war sie eingespannt in das üppige „Zwischenwelt“-Projekt mit Gerald Donald (Drexciya, Elecktroids, Dopplereffekt, u.a.), dann lebte sie eher zurückgezogen vom Geschäft und es gab lange nichts zu hören von Beta Evers. Dies ändert sich 2013 zunächst mit einer EP der Flying Bodies, dann mit Neuem von Black Spider Clan und einigen Solo-Veröffentlichungen. Warum es allerdings 10 Jahre brauchte, bis ein Magazin aus Deutschland einmal ausführlich mit dieser Ausnahme-Künstlerin und (Ex-?)Labelchefin von Kommando 6 und Bodyvolt spricht, das konnte im Interview nicht restlos geklärt werden. Aber dafür sonst einiges über die Welt zwischen Augsburg und Detroit, Electro und Punk sowie über Arbeitsweisen im Team, im Duo und solo.

    Ist das nun wirklich das erste richtige Interview, das du nach mehr als zehn Jahren Labelarbeit und vielen Veröffentlichungen einem Magazin aus Deutschland gibst? Das ist außer durch diverse Vetternwirtschaften, die - vielleicht zum Glück - genau vor Augsburg Halt gemacht haben, ja kaum zu erklären.

    Es gab tatsächlich fast nur Nachfragen aus dem europäischen Ausland, aus den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien. Aus Deutschland kam immer erstaunlich wenig Interesse, schon damals für das Label Kommando 6, als nur ganz ausgewählte Plattenläden auf mich zukamen. In letzter Zeit war es dann eher ruhig um mich, auch aufgrund vieler Umzüge und weil ich viele Kontakte nicht gepflegt habe.

    Dabei stehen neben den Veröffentlichungen unter deinem Namen sehr oft auch namhafte Kooperationen in deinem Portfolio. Zu denen aber später. Bei den aktuellen Veröffentlichungen, ganz frisch die als Flying Bodies mit Charles Kent und bald die Black Spider Clan mit Dystronic, geht es wohl mehr um lokale Bekanntschaften. Wie haben sich die ergeben? Greifst du auf langjährige Kontakte zurück, womöglich bis hin zu den Tagen, als du in einer Punk Band gespielt hast?

    Die Ursuppe ist sicher die lokale Gruppe, in die ich in Augsburg hineingeraten bin. Vorher gab es einmal eine Art Kinderzimmer-Punkband, aber da war ich 14! Selbst da war aber die Resonanz aus dem Ausland bereits recht hoch, mit Anfragen auch aus New York zum Beispiel – aber das ist ein anderes Thema. Nach Jahren mit Studium und als Plattensammlerin habe ich eben erst in Augsburg wieder mit der Musik weiter gemacht. Über späteren New Wave und Industrial kam ich so langsam in die elektronische Szene zurück – wobei ich früher schon ganz großer Gary Numan Fan war und es noch bin. In Augsburg gab es dann aber eben eine sehr aktive Szene, die Mitte der Neunziger Electro Partys veranstaltet hat, durchaus im Sinne von Detroit Electro. Dort habe ich dann die Bookings gemacht, Acts wie I-F zum Beispiel. Aber auch lokale Produzenten wie TecRoc, der schon bei HipHop dabei gewesen war, waren sehr wichtig. Viele haben dort vor sich hin gearbeitet, wurden aber außerhalb Augsburgs kaum richtig wahrgenommen. Als ich gehört habe, wie viel gute Musik und Potential es da gab, dachte ich: Okay, die Jungs machen es nicht, dann mache ich ein Label. 2000 wurde also Kommando 6 erst einmal als Netzwerk und ein Jahr später dann als Label gegründet.

    Und dort fanden sich dann alle zusammen, die sonst nur auf Partys anzutreffen waren oder in ihren eigenen Kämmerchen vor sich hin gearbeitet hatten?

    Ja, es gab neben den lokalen Connections aber auch durch das Booking schnell welche nach Den Haag zum Beispiel. Dadurch gab es bei der Labelgründung dann schnell internationales Interesse, eben vor allem jenseits von Deutschland. Ähnlich wie bei der Punk-Geschichte ganz früher war ich total überrascht, wie sehr sich in der ganzen Welt Leute für das interessieren können, was man macht. Im Grunde wollte ich nur vier bis fünf Platten auf Kommando 6 veröffentlichen, schließlich sind es innerhalb von sechs Jahren aber genau zwanzig geworden.

    Es ging also gut mit dem Ausland, aber zum Beispiel die Münchner haben sich noch nicht einmal interessiert? Für I-F oder so jemand könnte man doch auch einmal aus Schwabing kommen… Wie kann man sich die entsprechenden Partys vorstellen? (Infos zu der Reihe „Elektrik Nacht“ unter enacht.simulacron.org.)

    Zunächst einmal hat das Ganze so gut funktioniert, weil BiBi, der das Ganze vor allem organisiert hat, ein wirklich charismatischer Typ war, der mit einem uralten Renault-Kastenwagen am Tag vor den Veranstaltungen die Wohnungen auf und ab gefahren ist und allen supertolle, handgemachte Flyer in die Hand gedrückt hat. Er ist also nicht einfach mit einer Vorlage in den Kopierladen gelaufen, sondern hat Kaugummischachteln beklebt oder Tapes dazu gemacht, und jedes Mal etwas anderes. Die Location war außerdem eigentlich ein Kindertheater, bei dem BiBi sonst als Bühnentechniker gearbeitet hat. Also durfte er unter der Hand einmal im Monat eine „Privatparty“ machen. Bibi war und ist selbst weder DJ noch Produzent, sondern einfach ein großer Musikliebhaber. Und er hatte seine Jungs, TecRoc als LiveAct, Greg Gravity und Slick Rogers als DJs. Über die kamen dann so sachte auch Gäste aus München vorbei. Da gab es dann manchmal etwas Frickel-Elektronik live, aber meistens war es einfach gut zum Tanzen. 200 bis 300 Leute kamen also schon, aber bei den Münchnern war es immer noch ähnlich wie ich das zu Punk-Zeiten schon kannte: Die Münchner Punks waren recht elitär drauf.

    …und treten entsprechend heutzutage in Berliner Staatstheatern auf. - Wie bist du dann dazu gekommen, selbst zu produzieren?

    Ich wohnte damals ganz oben in einem Hochhaus in der Innenstadt und hatte eben nicht so einen Maschinenpark zuhause wie die Jungs. Dystronic wohnte im selben Haus und hat mir einige Basics erklärt, nachdem ich mir ein paar Dinge ersteigert und einiges an Freeware besorgt hatte. Damals hatte ich mehr Zeit als heute, also konnte ich mir den Großteil dann selbst beibringen. Und das klappte erstaunlich flott, und ohne dass ich bei den anderen im Studio etwas gemacht hätte. Das ging teilweise Tag und Nacht, auch weil ich schon immer ein Mensch war, der eben nicht anruft und fragt, wie dieses und jenes geht, sondern es selbst herausfindet. Genau dadurch konnte ich meine eigenen Soundstrukturen, meinen eigenen Sound entwickeln, aus meinem Zimmerchen heraus. Das ist vielleicht auch ein Unterschied zu den Jungs: Die gehen wahnsinnig technisch an die Sache heran und gehen danach, was welcher Synthie jetzt genau kann, schrauben da noch und basteln da… Meine Stücke entstanden damals schon immer eher spielerisch und nicht nach Lehrbuch, sondern so dass sie mir gefallen. Und dabei ist mir dann die Wellenform oder so etwas recht egal. Das ist nach wie vor so.

    Wie solche Ansätze aufeinandertreffen, wird man ja bald bei der neuen Veröffentlichung von dir und Dystronic als Black Spider Clan hören können. Das passiert aber nicht mehr aus diesem Hochhaus heraus, oder?

    Mittlerweile sind wir beide in der Vorstadt gelandet und hatten uns zwischendurch auch ein Studio geteilt. Da sind große Teile der kommenden EP entstanden, wobei viel von dem Material schon früher entstanden ist. Es kamen aber eben verschiedene Dinge dazwischen, deshalb gab es lange Zeit nichts mehr von diesem Projekt zu hören. Nun fehlen nur noch einige Vocals und das Abmischen, und im Sommer erscheint dann endlich wieder etwas von uns. Wir wissen noch nicht genau, ob die EP wieder auf einem eigenen Label erscheinen soll oder nicht.

    Frisch draußen sind zwei Stücke mit dir und Charly Kent als Flying Bodies. Das ist aber schon keine Augsburg-Sache mehr, oder?

    Nein, er war oft aus Arnsberg hier zu Gast, um Der Unsichtbare abzumischen, und darüber haben wir uns kennen gelernt. Als er mir dann ein Demo von sich gegeben hatte, gab es zuerst Veröffentlichungen von den beiden auf Kommando 6 und dann auch bald die Idee, etwas gemeinsam zu machen. Genau zu der Zeit habe ich also im Grunde begonnen, auch mit anderen zusammen zu arbeiten, was das Produzieren betrifft, und es sind einige gemeinsame Tracks entstanden. Was jetzt also veröffentlicht wurde, hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Mittlerweile bin ich nach vielen Umzügen wieder etwas sesshafter geworden und kann mich auch neuen Dingen widmen.

    Älteren aber nach wie vor auch: Eine Veröffentlichung mit „unreleased stuff 2002-2012“ von dir ist ja ebenfalls noch angesagt für dieses Jahr, und das als Umsonst-Download. Aber kommen wir mal zu den Jahren zwischen Mitte der Nuller und heute. Da gab es zwei Projekte mit Gerald Donald, „Zwischenwelt“ und „Gedankenexperiment“. Und das war ja doch ein noch etwas weiterer Schritt. Kam er dafür auf dich zu?

    Ja, das passierte zunächst via Mail, als er fragte ob ich mit Black Replica touren möchte. Er fand dass das musikalisch und weil ich auch eine Frau bin, gut passen würde. Ich fand das Projekt toll – auch wenn diese Aufnahmen von ihr wohl noch immer nicht erschienen sind. Nach der Tour blieb der Kontakt dann bestehen, und es gab von Seiten Gerald Donalds die Idee, eine größere Gruppe an einem neuen Projekt arbeiten zu lassen: Er als Heinrich Mueller, Penelope Martin, Susana Correia und ich. Dabei sollte es für ihn einmal in eine ganz andere Ecke der Wissenschaft, das Paranormale, gehen. Die beiden anderen hatten sich schon etwas länger damit beschäftigt, ich bis dahin noch gar nicht. Sich mit dem Thema selbst wissenschaftlich auseinander zu setzen, das dann via Internet zusammen weiter vorzubereiten und dann Sessions zu machen, bei denen man sich dann Auge in Auge sieht, fand ich sehr interessant. Ich habe also gern zugesagt und dann Bücher bestellt und mich damit beschäftigt, vom Humbug von früher bis zur Quantenphysik.

    So stelle ich mir das vor. Unheimlich wurde es dabei nie?

    Nein, dafür ist sein Ansatz viel zu wissenschaftlich. Musikalisch sollte aber eine gewisse mysteriöse Atmosphäre geschaffen werden, ähnlich der in Filmen zu diesem Thema. Was Gerald Donald aber vor allem wichtig war: Dass wir den aktuellen Stand der Forschung in die Öffentlichkeit bringen, also Psychokinese, Immaterialisation, eher die großen Themen. Alle sollten sich mit einem Teilbereich beschäftigen, letztlich kam aber aus Zeitgründen nur meiner auf dem Album heraus. Das gesamte Projekt dauerte von 2007 bis 2010, so dass die Stücke zu zweit als „Gedankenexperiment“ sozusagen mittendrin entstanden sind. „Zwischenwelt“ war dagegen ein langer Prozess mit vielen Besprechungen, wobei Gerald Donald und ich zu der Zeit beide in Deutschland ansässig waren, was uns einiges erleichtert hat. Die beiden anderen waren in den Vereinigten Staaten bzw. in Spanien.

    Eine ganz andere Arbeitsweise also als bei deinen eigenen Produktionen. Machst du selbst eher schnell „den Sack zu“ bei deinen Tracks? Oder gehört es dazu, Material auch einmal länger liegen zu lassen und später wieder aufzugreifen?

    Es kommt immer beides vor. Meine zweite EP, „Eruption“, hatte ich innerhalb von zwei Wochen fertig. Als Regel kann man vielleicht sagen: Wenn ich alleine arbeite, dann geht es bei mir ziemlich flott. Wenn etwas gut ist, muss es auf die nächste EP. Und wenn die dann kein anderes Label macht, dann mache ich das eben auch selbst. Im Moment ist es interessant, dass ich erst einmal wieder in die Eigenarbeit zurück finden muss, weil ich so viel mit anderen zusammen gearbeitet habe. Geeigneter bin ich vielleicht tatsächlich für Solo-Produktionen, obwohl die gemeinsamen Projekte alle toll waren und natürlich auch die Sounds von Könnern wie Gerald Donald zum Beispiel. Andere Leute arbeiten anders, und das muss man auch akzeptieren, aber manchmal habe ich bei „Zwischenwelt“ wirklich die Geduld verloren.

    Das lappt ja eigentümlicher Weise eben fast ins Paranormale, sich immer vorstellen zu müssen, was da eine andere Person – die man kaum kennt – auf einem anderen Kontinent jetzt genau weiter arbeitet am gemeinsamen Projekt. Und vielleicht sogar ob überhaupt.

    Es war sehr anstrengend, aber ich bin auch sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Dennoch würde ich so etwas in naher Zukunft nicht mehr machen, eben vor allem weil es so zeitintensiv ist. Es wurde fast zu einer Art Schwarzes Loch, das alle Energie für andere Dinge aufgesaugt hat. Und das war ein großer Unterschied zu allen Duos, in denen ich bis jetzt gearbeitet habe.

    Insgesamt fällt auf, dass du ein wenig ein Anti-Typ zu denen bist, die permanent medial präsent sein und gleichzeitig jeden Tag Stücke produzieren müssen. Geht das so weit, dass du dich sogar von der Geschäftsseite mittlerweile gerne fern hältst?

    Ich war früher sehr aktiv in den einschlägigen internationalen Internet-Kreisen, habe dann aber bald die Schattenseiten, wie die Troll-Kultur, kennen gelernt. Und da fiel mir eine ähnliche Beobachtungen aus Punk-Zeiten auf: Nach einiger Zeit wiederholt sich diese Chose überall. Ob Du also unter – frei erfunden – Briefmarkensammlern oder in der Electro-Szene bist, irgendwann musst du den Gedanken aufgeben, dass es in genau dieser Szene anders laufen könnte. Bei mir gab es zum Beispiel ständig Trolle, die überall Dinge posten mussten wie „Küsst den Teppich, auf dem sie wandelt! Sie hat mit Gerald Donald zusammen gearbeitet!“ Also wieder einmal Ego-Shooter, Profilierung, anderen eines auswischen, besser sein, Kräfte messen, Geld, usw., plakativ gesagt. Von dieser Art Öffentlichkeit brauchte ich eines Tages einen Break, davon sich immer mit denselben Provokationen und einigen Enttäuschungen auseinander setzen zu müssen. Als Produzentin, Labelmacherin und Bookerin kann da einiges zusammen kommen, und zu der musischen Chose kam ich damals nicht mehr. An manchen Tagen habe ich mich viel zu sehr über manches geärgert. Aber du musst natürlich andererseits fast überall präsent sein, sonst bist du bald kein „Thema“ mehr. Mir war das irgendwann nicht das Wichtigste und ich wollte meine Gedanken von all dem nicht mehr beeinflussen lassen.

    (First published via DJ Mag Germany in March 2013.)

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