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  • Some Interviews I Did (22): IAMX

    IAMX_Photo by Danny Drysdale003

    There is still something in my vaults not yet digitally available. Most of it is in German. Like this one.

    Back from a Grave

    Nach seiner Zeit bei den Sneaker Pimps ging es kurz nach Berlin, aber von dort schnell wieder weg – ins Umland, ins „Turmwerk“, in eine Art selbstgewählte Rückzugsstätte. Es entstand viel, aber das größtenteils als Ein-Mann-Unternehmen. Zum neuen Album „The Unified Field“ lud sich Chris Corner nun nicht nur den alten Weggefährten Liam Howe ein, sondern spricht auch über Videos direkt zu den Fans und zeigt sich im Interview sehr offen und gesprächsfreudig. Und fast unfassbar: Es gibt auf dem Album regelrechte Hymnen an Zusammenhalt und Einigkeit. Herr Corner, wie haben Sie das gemacht?

    Schon beim ersten Stück, „I come with Knives“, wird man fast überfallen mit einem weiblichen, fast jubilierenden und auch noch deutschsprachigen Gesang. Aber es wird dann natürlich ein wenig düsterer. Wurde dieses Stück tatsächlich auch noch in einem alten Nazi-Bunker aufgenommen? Wird einem da manchmal nicht selbst ein wenig unheimlich?

    Wir haben ein Drittel im Turmwerk, ein Drittel in L.A. und ein Drittel in den Ufa-Studios aufgenommen, und das ist tatsächlich ein ehemaliges Nazi-Gebäude, in dessen Keller es ganz erstaunliche Halleffekte gibt. Also haben wir da eine Menge Stimmen für das Album aufgenommen, ja. Die Stimme stammt von Janine Gezang, die sonst vor allem Keyboards spielt und Backing Vocals macht. Sie ist ja Deutsche, auch wenn sie ein Faible fürs Russische hat. Wenn wir im Osten unterwegs sind, fungiert sie quasi als unsere Botschafterin. Was den Studiokeller betrifft: Es ist ein wirklich seltsamer Ort, in dem ich einige Aufnahmen ganz allein mit langen Kabeln zum Kontrollraum gemacht habe, nur mit einer Gitarre, einem Vibraphon und anderen Instrumenten bei mir und manchmal einer leisen Stimme im Kopfhörer. Ein großer dunkler Keller, der teils auch noch den Charakter eines Museums hat. Das ist noch im Entstehen, aber es gibt dort eben Nazi-Betten und andere Gerätschaften aus der Zeit. Die Akustik im Turmwerk ist teils ähnlich, von dort stammen die meisten ersten Aufnahmen. Und ich habe in diesem Keller dann versucht, die ursprünglichen Gefühle der Songs zu bewahren.

    Also ein bisschen ein Weg zurück, nachdem du dich 2008 aus Berlin nach außerhalb zurückgezogen hattest, wenn auch nur auf Zeit. War das damals vor allem eine Stadtflucht oder ging es da schon um einen Ort, an dem du einmal mit anderen zusammenarbeiten würdest?

    Ich hasse Menschen einfach ganz extrem! Ich will keine um mich haben! (lacht) Nein, das stimmt so nicht. Ich mag Menschen. Also: Die Stadt wirkte ermüdend und ablenkend auf mich. Für eine lange Zeit brauchte ich den völligen Freiraum und die psychische Isolation im Turmwerk, fast wie in einem Kloster, alleine um aus dem Chaos des Stadtlebens herauszukommen. Offensichtlich wird es dann irgendwann recht einsam. (lacht) So habe ich dann die Möglichkeit genutzt, gezielt Leute einzuladen, die ich um mich haben wollte und die dort arbeiten wollten. Das funktioniert sehr gut, man ist sehr effizient in seinen Arbeitsbeziehungen. Und ich fühle mich den Menschen näher als in der Stadt. Ich könnte und wollte aber nicht abrupt einfach mal mit neuen Leuten an dem Album arbeiten, obwohl ich recht erschöpft davon war, auf den letzten Alben ganz allein zu arbeiten.

    Einer der Partner auf dem Album, Jim Abbiss, arbeitet ja schon länger bei dir im Haus. Hat sich das meiste also eher natürlich und sukzessive ergeben?

    Ich hatte nach und nach Leute eingeladen, im Turmwerk auch an anderen Projekten zu arbeiten. Als Jim Zeit hatte und sich bei IAMX beteiligen wollte, hat er mitgemacht, wie andere Beteiligte an dem Album auch. Es ging vor allem darum, das Gewicht der Ideen, die ich für „The Unified Field“ hatte, mit anderen zu teilen, dann gemeinsam daran zu arbeiten und, so schätze ich, auch etwas Spaß dabei zu haben. Bei den letzten Alben hatte ich wenig Freude bei der Produktion, es war sehr viel harte Arbeit, gerade emotional. Auch das meine ich mit dem Gewicht der Ideen.

    Hinzu kommt, dass du das Album über Pledgemusic finanziert hast, also Nachfrage orientiert, nicht indem man etwas fertigstellt und dann quasi top-down an die Öffentlichkeit verfüttert. Auch das hat natürlich eine Idee von Community inne. Gleichzeitig hast du dich und deine Arbeit aber dadurch während der Produktionsphase ebenfalls öffentlich machen müssen. Und in den dazugehörigen Videos sieht man, dass das neu für dich ist, diese Tür auch noch zu öffnen…

    Ich habe auf so etwas hingearbeitet, und das brauchte etwas Zeit. Auch weil ich skeptisch war gegenüber diesem Crwodfunding-Ding, ob sich überhaupt jemand dafür interessieren wird! Ich wollte es eben gut hinbekommen, und es geht dabei um eine ganz andere Kultur, eine andere Denkweise, ähnlich einer Projekt orientierten Stiftung. Ich war dann sehr positiv überrascht, wie diese Herangehensweise uns sogar geholfen hat, unsere eigenständige Kleinindustrie weiter zu entwickeln und noch viel weiter aus der normalen Musikindustrie herauszukommen. Aber ich hatte auch Angst, mich selbst so darzustellen. Ich bin in diesen Videos nicht die private Person, aber erst recht nicht die, die ich auf der Bühne bin. Ich musste also mehr von meiner Persönlichkeit öffentlich machen, was ebenfalls neu für mich war und zuerst auch schwierig. Gleichzeitig können diese Videos nicht ausdrücken, was es wirklich für mich bedeutet, so ein Album zu machen. Das ich kann ich nicht in ein paar Minuten, zurecht gemacht und in einer Plastiktüte serviert darstellen. Es war also ungewohnt und teils unangenehm, aber dann gehst du hin und entblößt dich eben etwas.

    Fast noch mehr auf die Spitze getrieben wird diese Community- und Öffentlichkeits-Sache für mich durch das Titelstück „The Unified Field“, das im Grunde auf die wissenschaftliche Annahme verweist, dass alle und alles aus derselben Ursuppe kommen. Das Stück klingt sehr uplifting, fast glorifizierend, sehr nah an Rave-Momenten. Das kann etwas positivistisch gegenüber den Möglichkeiten der Wissenschaft rüberkommen, auch weil du Teile der Einnahmen an die Richard Dawkins Stiftung für wissenschaftliches Denken stiftest. Dass Du darum weißt, wie Wissenschaft Menschen manipulieren kann, findet sich hingegen in Zeilen wie „Propaganda is in our flesh and blood“ von „Walk with the Noise“. Wie sieht dein Standpunkt dazu aus?

    Ich weiß genau was du meinst. Ich habe mich lange mit Astrophysik und Mathematik beschäftigt und das ist ein Antrieb von mir, es hält mich neugierig. Wissenschaft und Kreativität sind für mich nicht verschiedene Dinge. Über Wissenschaft kann ich sowohl realistisch als auch auf ästhetische Weise die Welt wahrnehmen, aber jetzt nicht in einem spirituellen oder religiösen Sinne. Ich glorifiziere also nicht Technokratie oder ein Geek zu sein, sondern die Idee dieses Feldes. Es gibt wunderschöne Konzepte in der Wissenschaft, elegante, künstlerische. Und dazu gehört die Idee dieses „einheitlichen Bewusstseins“ auf der Ebene der kleinsten Teile, dass alles in Quarks und Atomen steckt. Für mich ist Wissenschaft der wohl beste Ansatz um zu akzeptieren, dass der Mensch so ist wie er ist. „The Unified Field“ ist eine endlose Quelle von Möglichkeiten und Schönheit und gleichzeitig die Lösung für das Problem, dass ich immer meinte unlösbare Fragen beantworten zu müssen. Wie mit Wissenschaft umgegangen wird, das liegt wohl daran, ob du zum Beispiel Moralphilosoph oder Nukleartechniker bist und im Bett mit Regierungen. Das sind Fragen von Idealismus oder Politik. Die Grundidee des Albums ist eher, die ursprüngliche Schönheit dieses Konzeptes zu zeigen und auch etwas zu feiern.

    Es gibt nach wie die dunklen Seiten auf dem Album: Geistige Erschöpfung, Schmerz, Missbrauch, Apokalyptisches. Kontrastierst du damit quasi die Art Grundaussage des Titels oder sind das eher Spuren von früher?

    Jedes meiner Alben ist eine Reaktion auf das vorangegangene und bedeutet eine Phase meines Schaffens. Es gibt also Dinge, an denen ich interessiert bin, aber es gibt da nichts sehr Konstruiertes. Bei den vorherigen Alben wurde es sehr negativ, falls man das so sagen kann – und das ist für mich vorbei. Natürlich steckt noch die Sorge um die Entwicklung der Menschen und etwas Apokalyptisches drin, aber ich habe versucht hoffnungsvoll und positiv zu sein. Auch als Reaktion auf das, was ich vorher fabriziert habe und auch weil ich manchmal von mir selbst und immer auf dieselbe Art zu denken gelangweilt bin. Um weiter voranzukommen musste ich also schon so ein positives, glorreiches Album machen.

    Am Ende des Albums steht dann der Satz „My trials are my friends“ - und der ging mir noch gut fünf Minuten nach dem Hören im Kopf herum.

    Tatsächlich? (lacht) Es ist wirklich fast wie ein hoffnungsvolles Mantra: Die Dinge stehen schlecht – aber ich werde gewinnen.

    Vielen Dank für das Gespräch!

    (Originally published via DJ Mag 04/2013. Pic: Danny Drysdale.)

  • Picks

    stop evolution! start discotheque!

    Had a look at how some not-that-well-known old faves are doing, musically that is. (My English gets worse each minute I am forced to hurry my life away.)
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    Lauri des Marais has uploaded two videos, that's almost incredible!
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    Mouse on Mars team up with some on new album "21 Again".
    Kreidler have an "ABC" out.
    As have Die Sterne.

  • BTDT Monthly 10/2014

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    Some of the people and institutions I worked with in September can be found if you look at what Labkultur.tv (german site, english site) has to offer. This job there keeps me quite busy.

    I have written one piece for the next edition of Heimatdesign mag, too.

    Went to the cinema very often.

    Lots of society events.

    Shaved less.

    Got some CDs as presents.

    Transparency:: September 2014: 3917 page impressions (most ever). 609 visitors (least since June 2013). And why not?

    (Pic? Second hand.)

  • Substitutes XV

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    Must have taken pictures lately. One shows the aforementioned tent in Dortmund on Sunday afternoon. The other shows a bike (and another) and not that many cars at Bottrop train station on a Saturday afternoon.

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  • Feuilleton 6

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    1) I feel deeply embarassed by the fact that human kind does not get rid of that thing called weekend officially. Once there was the church, then there was disco and now it's some sort of dayjob routine that keeps the internet from making us all go 24/7 - and then who would care about 7 or 8 or 365? Objects in space circle around each other, but the clocks are digital and there a nanoseconds that change fates of nations - so they say. At the same time the weekly routine of a couple still goes like this. 5x Work. And after the evenings from Monday to Thursday were some sort of Cassandra prophecy for what may happen on Friday - not to think about Saturday and Sunday! - if one does not go out just to AVOID lots of things and words and gestures... ...money is spent, faces are laughed at, a good time is brought up until the whole scenery laughs back into the two faces, so one goes home and to bed. (If children are in there somewhere, they may have to take over the role of the public most of the time.) So then comes Saturday and something similar happens with the extra-tricky daytime playing a special part. And then Sunday, where everybody decides better to go back to their screens already or try some of that nature thing before that. But somehow this routine seems better and healthier than getting rid of that weekend cliché, that at least guarantees some hope for a change that will never come. Like religion, like disco. Like the web.

    2) Notes I find on my mobile:
    - Still Mary Douglas:
    "Statusappelle und positionales Kontrollverhalten"
    "Ein Pygmäe kann eben nicht ohne weiteres mit einem Prediger, einem Journalisten oder einem Dozenten gleichgesetzt werden."
    - "In Essens nördlicher Innenstadt wirkt es oft so, als sei 'selbstständig' und 'kreativ' so etwas wie 'irre', 'behindert' oder 'asozial'. Dass so etwas in direkter Nachbarschaft zu ThyssenKrupp geschieht und auch noch KQ genannt wird, erscheint zumindest doppelbödig."
    - "Just because it's popular doesn't mean it's good. Just because it's bad doesn't mean we have to make it popular. Just because it's unpopular doesn't mean it's good."
    - "The rain in Spain stays mainly in the plain."
    - "Breakfast at Tiffany's"
    - "Spliff: Déja Vu"
    - "Deine Anpassung ist dein Freiheitsrahmen."
    - "respect the reluctant people!"
    - Dave Eggert, "The Circle":
    "I'm not sick. I'm awesome!"
    - "Deutsche Fußballnationalmannschaft der Herren auflösen!"
    - "Wenn der Düsseldorfer nicht weiter weiß, greift er zu Marmor und Messing."
    - "Ich habe dich im Traum verpasst"
    - Theo wir fahren nach Lodz

    3) Disintegration. Because one does not want to be someone who gives up on whatever or whoever, we often hold on less than half-heartedly to too many things and people. Even if not for real. Each mini dose of clicks and likes is a placebo as bad as an audience's applause for a song about a lost love. And then the moment when you enter the next stage to make this happen again. It's surely better if you (can) fake it.


    (Pic used before.)

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